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Bergilder Ich sitze auf der roten Holzbank, die sehr unbequem gezimmert ist. Man sitzt einfach nicht bequem, die Lehne drückt in den Rücken, anstatt ihn zu stützen. Ich frage mich jedes Mal, wie es zu dieser Konstruktion kommen konnte, ob Unvermögen, Gleichgültigkeit oder gar Absicht dahinter steckt. Egal, ich bin nicht zum sitzen da. Ich bin da, um zu sehen. Ich bin Künstler, Maler genauer gesagt. Ein „Seh-Mensch“ kann man es auch nennen. Als solcher habe ich das schon oft getan in meinem Leben, mich auf rote, unbequeme Bänke gesetzt, nur um zu sehen. So wie jetzt wieder. Die Bank steht oben auf dem Hügel, keine fünf Minuten zu Fuss von unserem Zuhause entfernt. Ich denke nach. Über die Kinder, über Mireille, meine Frau, über Probleme, Lösungen, Gelungenes, Zukünftiges und Vergangenes. Und sehe die Landschaft. Die Hügel mit Wiesen und Wäldern, Autos, die immer kleiner werden, andere immer grösser, Motorradfahrer, die Kopf und Kragen riskieren, die Raben, heute wieder im Schwarm und laut krähend. Was treiben die eigentlich? Und hinten, weit, weit weg stehen sie, wie das Ende der Kulisse, seit Ewigkeiten sind sie da, mächtig und starr:

Die Berge

Es sind die Glarner Alpen, soviel weiss ich. Irgendeiner der Gipfel heisst Glärnisch, ich glaube dieser dort, sicher bin ich mir nicht, ich weiss nur, alle haben sie Namen und das genügt mir. Ich bin alles andere als ein Alpinist, Wanderungen unternehme ich nur, die man als solche kaum bezeichnen kann. Ich bin sehr gerne in den Bergen, eigentlich oft. Aber jedes Mal fühle ich mich, wie soll ich sagen... Als „Gast“. Warum? Weil ich in der Stadt aufgewachsen bin? Möglich. Ich denke, es ist Respekt. Respekt vor dieser Machtdemonstration der Natur. Kleiner Mensch auf riesigem Berg. Bergsteiger werde ich nie verstehen. Natürlich, der Gipfelsturm ist eine bemerkenswerte Leistung. Aber was sonst? Kein Mensch kann da leben. Was gibt es dort, ausser der atemberaubenden Aussicht und dem Schulterklopfen: „Ich hab’s geschafft!“? Nein, dort oben (nicht einmal auf dem Weg dorthin) hab ich nichts verloren.

Was hat das nun mit Kunst und Malerei zu tun? Nichts. Oder ich sage es so: Indirekt besteht ein Zusammenhang. Doch dazwischen liegt ein langer Weg. Es ist sicher zehn Jahre her, da weilten wir im Bergell. Berge, wohin man sieht. Herrlich! Doch die geplante Wanderung war mir viel zu lang, also blieb ich wo ich war und setzte mich mit Block und Stiften in den Garten und kritzelte Berg Silouetten aufs Papier. Stundenlang, Blatt für Blatt. Vor Monaten fiel mir der Stapel Zeichnungen beim (wie immer überfälligen) Aufräumen des Ateliers in die Hände. Ich hatte gerade genug von der Serie der „Fische und Taschen“ Bilder, alle mit breiten Pinseln gemalt und da war es plötzlich, das Neue. Bergbilder! Mit schmalen Pinseln gemalt. Wie gekritzelt. Wie mit Stiften gezeichnet. Eine neue Serie. In Serie zu malen bedeutet Variation, Erweiterung, Vielfalt. Eigentlich Freiheit. Die Themen spielen dabei nur insofern eine Rolle, als dass sie eben diesen Vorgang erst möglich machen. Daraus entsteht eine Realität. Niemals würde ich diese als surreal bezeichnen, ganz falsch, im Gegenteil: Es ist einfach eine andere Realität. Und es gibt sie. Zu sehen in der Galerie Bachlechner usw.
Couples Eines Tages, es sind Jahre her, entschied ich mich, ein Bild zu malen, welches nie beendet wird. Die Idee war, bewusst zu scheitern. Leider versäumte ich es damals, den ganzen Prozess fotographisch festzuhalten. Das Bild selber existiert auch nicht mehr. Aber die Serie „Couples“ ging daraus hervor.
Das kam so:
Während 21 Tagen malte ich ohne Vorlage eine gelbe Frau auf grauem Grund. Mal war sie hässlich, dann wiederum perfekt, doch nie durfte das Bild bleiben, was es war. Ich änderte das Erreichte immer wieder. Am 21. Tag hatte ich genug. Ich nahm den grössten Pinsel und übermalte die gesamte Fläche. Zurück blieb ein gelbliches Grau und eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich sass vor der Leinwand und machte mir Gedanken über Sinn und Sinnlosigkeit. Dann, weshalb weiss ich bis heute nicht, malte ich zwei schwarze Gesichter in das Grau. Das war der Anfang des ersten Bildes dieser Serie.
Over – es ist vorbei...

Vor sich hin rostende, erhabene Passagierschiffe, sei es im Hafen von Philadelphia die „S S United States“ oder die gestrandete „S S Norway“, ehemals „France“ in Alang, Indien, beides waren einst der Stolz ganzer Nationen.

Ein Symbol für Fortschritt, Geschwindigkeit und Eleganz waren Schiffe der Superlative seit je her. Heute sind sie ein Symbol für vergangene Zeiten. Zeiten, in denen diese wunderschönen Schiffe Stürmen getrotzt haben, unter klarem Himmel Menschen über den Atlantik brachten und viele der Passagiere mit Stolz sagten: „Ja, ich war auf der France!“

Heute nun, sind sie gefangen am Pier, festgemacht an dünnen erbarmungslos stabilen Tauen, der Witterung und dem Zerfall ausgesetzt, langsam sterbend, oder wie im Fall der „France“, inzwischen als Altmetall abgewrackt.

Die „Carpathia“ war das Schiff, welches die Überlebenden der Titanic-Katastrophe gerettet, und nach New York gebracht hatte. Die Katastrophe war geschehen, sie war vorbei...

Diese Schiffe zu malen ist faszinierend und traurig zugleich. Faszinierend ist ihre ehemalige Schönheit und Eleganz und traurig ihr Untergang. Ein Untergang nicht auf den Grund des Meeres, als Katastrophe für die Geschichtsbücher, nein, es ist ein Untergang auf Zeit, nicht mehr zu gebrauchen, „over“, es ist vorbei...
Titus Meier, Oktober 2017
Theia Wie ich in der Zeitung gelesen habe, nennen Wissenschafter den Planeten, der vor 4,7 Milliarden Jahren die Umlaufbahn der noch jungen Erde gekreuzt hatte, Theia. Aus den Trümmern dieses Supercrash, bildete sich der Mond. Ich war erstaunt zu lesen, dass es kaum Wissenschafter gibt, die an dieser Annahme zweifeln. Was mich aber geradezu fasziniert hat: ohne den Mond, wäre Leben hier undenkbar. Die Masse des Mondes bremst die Rotation unseres Planeten. Wäre kein Mond da, die Erde würde sich um ein Vielfaches schneller drehen. Stürme von kaum vorstellbarer Intensität und enorme klimatische Schwankungen würden die Entstehung jeglichen Lebens verunmöglichen.
Das Bild „Theia“ mit der Frau im Mittelpunkt, hat seinen Ursprung sozusagen in einem Ereignis, das sich vor langer, langer Zeit so abgespielt haben muss. Mit weit reichenden Folgen...
Pesci allegri Fische, die aus Blumen heraus Nahrung finden, müssen fröhliche Fische sein. Die Inspiration dazu stammt von einer Postkarte.